Veränderliche Sterne
So beständig und fix, wie allgemein angenommen wird, ist der Sternenhimmel keineswegs. Nicht alle Sterne strahlen mit konstanter Helligkeit, viele davon sind variabel. Diese Veränderlichen, wie sie genannt werden, bekamen diese Bezeichnung, weil ihre von der Erde aus gesehene Helligkeit Schwankungen unterworfen ist. Dabei kann sich der Lichtwechsel nach kurzer Zeit oder über Jahre bemerkbar machen.
Man teilt die Veränderlichen in zwei Hauptgruppen ein. In der einen Gruppe sind Pulsations- und Erruptiv-Veränderliche vereinigt, die von Innen heraus und als Einzelstern pulsieren und dadurch ihre Helligkeit variieren.
Die andere Hauptgruppe der variablen Sterne sind die Bedeckungsveränderlichen, enge Doppelsterne, bei denen es periodisch zu gegenseitiger Bedeckung kommt – eine geometrische Abschattung mit physikalischen Nebenerscheinungen. Diese Doppelsterne sind so enge Systeme, dass diese sich auch in grossen Teleskopen nicht trennen lassen. Trägt man die Helligkeitsschwankung gegen die Zeit auf, erhält man eine Lichtkurve, deren Form viel über den Stern aussagt.
Der Stern „Algol“ im Sternbild Perseus ist der Prototyp eines Veränderlichen, der schon im Mittelalter bekannt war. Dieser hellste Bedeckungsstern verändert seine Helligkeit mit einer Periode von 2 Tagen und 20 Stunden um über eine Grössenklasse.
Diese Bedeckungsveränderlichen werden von unserem Mitglied, Ernst Blättler, seit über zwanzig Jahren intensiv beobachtet. In seiner Privatsternwarte in Wald sind hochpräzise Geräte im Einsatz. Hier ist die Veränderlichenbeobachtung seit Jahren eine Arbeit am PC. Spezielle Astroprogramme positionieren das Teleskop auf den zu beobachtenden Stern, steuern die CCD-Kamera, nehmen das Bild auf und speichern dieses ab. Alle diese Vorgänge werden automatisch mit dem Computer gesteuert. So entstehen im Laufe einer Nacht bis zu 400 Bilder. Die Helligkeitsauswertung dieser Aufnahmen sind wiederum Arbeiten mit speziellen PC-Programmen.
Zusammen mit seinem Partner, dem Mathematiker und Mitglied der Internationalen Astronomischen Union (IAU), Dr. Roger Diethelm, werden die Lichtkurven konstruiert und die Elemente des Veränderlichen, die Periode, der Typ und die Grösse der Helligkeitsschwankung festgelegt. Diese lichtelektrische Fotometrie erlaubt eine sehr hohe Genauigkeit der Periodenbestimmung und bietet zudem eine der wenigen Möglichkeiten der direkten Bestimmung physikalischer Zustände und Grössen von Sternen!
Ernst Blättler hat sich auf die erstmalige Beobachtung Veränderlicher aus internationalen Himmelsüberwachungsprogrammen spezialisiert. Die Ergebnisse werden im „Information Bulletin on Variable Stars“ (IBVS) der IAU, das in Budapest herausgegeben wird, veröffentlicht. Anschliessend werden den Veränderlichen die definitiven Namen vergeben und sie werden mit ihren nun festgelegten Elementen in den GCVS (General Cataloque of Variable Stars), der in Moskau geführt wird, aufgenommen.
Die Ergebnisse dieser aufwändigen und zeitintensiven Arbeit wird von Fachastronomen sehr geschätzt und entsprechend positiv ist auch das weltweite Echo.
Fazit der Fachwelt:
„Heute liefern die veränderlichen Sterne entscheidende Bausteine für die Theorie der Sternentstehung und Sternentwicklung, sie ermöglichen Aussagen über die Struktur unserer Galaxis, und sie sind auch unentbehrliche Objekte in der extragalaktischen Forschung geworden. Physisch veränderliche Sterne repräsentieren bestimmte Stadien in der Sternentwicklung und charakterisieren die Sternpopulationen. Durch Veränderliche erhalten wir Einblick in das Sterninnere in Abhängigkeit von Masse und chemischer Zusammensetzung, in zirkumstellare physikalische Prozesse und Wechselwirkungen und nicht zuletzt in inner- und ausserhalb der Sterne ablaufende Prozesse, die mit verschieden starken Magnetfeldern zusammenhängen“.
Lichtkurve des Bedeckungsveränderlichen GSC2587:289 im Sternbild Herkules,
mit gerechnetem Minimum, am Freitag, 13. Juli 2007.
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